SDG 5 - Geschlechtergleichstellung

ERIKA – EIN GESCHÜTZTER WEG FÜR FRAUEN, DIE SICH IN EINER GEWALTSITUATION BEFINDEN

Beschreibung

Beschreibung
Frauen in Gewaltsituationen werden bei Nennung des Codewortes „Erika“ in der Notaufnahme in einem der sieben Südtiroler Krankenhäuser in einer geschützten Umgebung betreut, unterstützt und begleitet. Im Rahmen des Projekts Erika werden Krankenhausmitarbeitende im Umgang mit schwierigen Situationen in diesem Kontext weitergebildet.

Warum?
(Häusliche) Gewalt an Frauen ist auch in Südtirol weit verbreitet: 2022 fanden rund 600 Frauen Hilfe und Beratung in einem der fünf Frauenhausdienste des Landes. Im Jahr 2021 wurden insgesamt 586 Frauen von den Kontaktstellen für Gewalt begleitet und unterstützt. In den geschützten Einrichtungen wurden 104 Frauen und ihre minderjährigen 147 Kinder aufgenommen. Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) begeben sich bis zu zwei Drittel der Gewaltopfer in ein Krankenhaus, um dort Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dem dort tätigen Personal wird in gezielten Fortbildungen Wissen vermittelt, das für das Erkennen von Gewaltverbrechen und für einen fachlich kompetenten Umgang mit dieser Situation wichtig ist.

Was?
Bei Nennung des Codenamens „Erika“ in einer Notaufnahme eines Südtiroler Krankenhauses kann auf Wunsch der Frau ein Netzwerk aus Unterstützungs- und Begleitdiensten für Gewaltopfer aktiviert werden. Es wird garantiert, dass Gewaltopfer schnellstmöglich den Zugang zu den Unterstützungsdiensten erhalten und zudem einen prioritären und direkten Zutritt zu medizinischen Leistungen in eigenen, geschützten Räumlichkeiten erfahren.

Wie?
In eigens organisierten Fortbildungskursen bilden und sensibilisieren die Mitarbeiterinnen der Beratungsstellen für Frauen in Gewaltsituationen interessiertes medizinisches und pflegerisches Personal der Notaufnahmen und der gynäkologischen Abteilungen sowie der Ordnungskräfte.

Vorteile

  • Das Projekt Erika basiert auf einem Vereinbarungsprotokoll zwischen dem Südtiroler Gesundheitsbetrieb, der Landesabteilung Soziales, der Staatspolizei, dem lokalen Kommando der Carabinieri und den Beratungsstellen für Frauen in Gewaltsituationen. Durch diese breite Partnerschaft ist eine gute Vernetzung im Krisenfall garantiert.
  • Der Dienst ist niederschwellig zugänglich; durch den sprachenunabhängigen Namen „Erika“ kann der Dienst relativ einfach aktiviert werden
  • Durch die Nennung des Codewortes werden Gewaltopfer schnellstmöglich in eine geschützte Umgebung gebracht, zu der ausschließlich das Opfer und ev. ihre Kinder Zutritt haben
  • Geschultes Krankenhauspersonal kann verhindern, dass ein Gewaltopfer in der Gewaltsituation verbleiben muss; vielmehr kann dem Gewaltopfer geholfen werden, fachliche Unterstützung und Begleitung zu erhalten

Zahlen, Daten, Fakten, Link zu weiteren Infos
Im Jahr 2021 wurden insgesamt 586 Frauen von den Kontaktstellen für Gewalt begleitet und unterstützt. In den Frauenhausdiensten und geschützten Wohnungen wurden 104 Frauen und ihre minderjährigen 147 Kinder aufgenommen. Im Jahr 2022 haben rund 600 Frauen einen der fünf Südtiroler Frauenhausdienste aufgesucht. Sie alle wurden Opfer von (häuslicher) geschlechterspezifischen Gewalt und fanden in den Diensten Beratung und Unterstützung.

Nachdem im Herbst 2021 ein fünfsprachiger Flyer ausgearbeitet und verteilt wurde, wurde im November 2022 ein Flyer in Leichter Sprache vorgestellt (in deutscher, italienischer und englischer Sprache). Damit sollen auch Frauen mit Lernschwierigkeiten (z.B. Frauen mit Migrationshintergrund, Frauen mit Behinderungen) über das Projekt informiert werden.

Seit der landesweiten Einführung des Protokoll Erika wurden mehrere Weiterbildungskurse für das Personal der Notaufnahmen organisiert.

Blick in die Zukunft
Das Projekt Erika wird seit 2020 auf alle Notaufnahmen der sieben Krankenhäuser Südtirols ausgebaut. Die Schulungen bzw. die Anzahl der Weiterbildungskurse für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Notaufnahmen wird weiter ausgebaut.
Um im Bereich der Gewaltprävention stärker aktiv zu werden, wurde Anfang April 2022 das „Protokoll Zeus“ unterzeichnet. Gemeint ist damit ein Präventionsprogramm, mit dem geschlechterspezifische Gewalt künftig besser vermieden werden soll. Das Protokoll Zeus sieht den Auf- und Ausbau eines psychosozialen Programmes vor, das Täter dazu bringen soll, ihr Verhalten zu überdenken und zu ändern. Sobald ein Täter wegen Stalkings oder häuslicher Gewalt in der Quästur angezeigt wird, erhält er die Möglichkeit an einem Antigewalttraining teilzunehmen. Partner dieses Einvernehmens Protokolls sind das Land Südtirol (Abteilung Soziales), die Quästur und die Caritas der Diözese Bozen Brixen. Das Protokoll kommt im gesamten Staatsgebiet in insgesamt 25 Provinzen zur Anwendung.

Link: https://www.provinz.bz.it/familie-soziales-gemeinschaft/soziale-notlagen/gewalt-an-frauen.asp