SDG 15 - Leben an Land

Forstwirtschaft - Naturnahe Waldbewirtschaftung

Ziel aller waldbaulichen Maßnahmen ist es, die Selbstregulierungskraft, Vitalität und Stabilität der Bergwaldökosysteme zu steigern und damit gleichzeitig ihre Klimaschutzleistung zu stärken. Darüber hinaus bilden Wald und Almen zusammen heute vor allem den wichtigsten Erholungs- und Freizeitraum für Südtirols Bevölkerung und für den Tourismus

Forstwirtschaft
Forstwirtschaft

Beschreibung

Warum?

Südtirol ist zur Hälfte mit Wald bedeckt, der Großteil des Waldes hat vor allem eine wichtige Schutzfunktion vor Naturgefahren. Über 15.000 Familien beziehen direkte Einkünfte aus dem Wald als Wirtschaftsraum.

Untersuchungen zeigen, dass 35% des Südtiroler Waldes als naturnah bzw. natürlich eingestuft werden kann. Mit diesem hohen Natürlichkeitsgrad liegt Südtirols Wald damit im Spitzenfeld Europas. Grundsätzlich zielen alle waldbaulichen Maßnahmen des Landesforstdienstes auf einen naturnahen Waldbau - im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung des Waldökosystems ab. Dem naturnahen Waldbau liegt eine standortgerechte Baumartenmischung, ein gesundes Beziehungsgefüge und große Strukturierung sowie die natürliche Verjüngung des Waldes zugrunde.

Was?

Ein konkretes Beispiel einer nachhaltigen waldbaulichen Zukunftsstrategie in der Abteilung Forstwirtschaft, ist die Umstrukturierung naturferner Waldgesellschaften, wie z.B. der Schwarzkiefernbestände am Vinschger Sonnenberg. Die Schwarzföhrenbestände (Pinus nigra) wurden ab Ende des 19. Jahrhunderts auf den entwaldeten Vinschger Sonnenberghängen als Schutzwälder angelegt und in Summe entstanden so nach 940 ha Schwarzföhrenforste. Diese entwickelten sich zu einförmigen Stangenholz- und Baumholzbeständen, welche zwar den Erosions- und Hochwasserschutz gewährleisteten, aber auch neue Problemfelder schafften. Ab einem gewissen Alter und aufgrund ihrer Physiologie gerieten die Schwarzföhrenmonokulturen in ein ökosystemares Ungleichgewicht. Die Baumbestände wurden anfälliger auf Trockenstress, Pilzbefall und andere Schadfaktoren wie z. B. die im Bast brütenden Kiefernborkenkäfer.

Die Erscheinungen von Kiefernsterben nahmen kontinuierlich zu und die Schadholzanfälle häuften sich. Dem gegenüber stand – und steht leider noch, eine an sich vitale, aber durch Wildverbiss stark gehemmte Waldverjüngung; somit gab es Handlungsbedarf.

Wie?

Seit fast 25 Jahren führt man am Vinschger Sonnenberg einen groß angelegten Waldumbau durch - hin zu potentiell natürlichen Waldgesellschaften – Flaumeichenwälder und Mischwälder von Waldföhre, Lärche mit Flaumeiche und Laubholz. Mit vorbereitenden Durchforstungen und umzäunter Pflanzung von Flaumeichen, Blumeneschen, Vogelkirschen und anderen Laubbaum- und Straucharten werden sogenannte Biozellen geschaffen, von denen aus die natürliche Ausbreitung der Laubbäume ihren Lauf nimmt.

Vorteile?

Die neu entstandene üppige und strukturreiche Mischwaldvegetation mit hoher Artenvielfalt bietet Schutz und Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Die Mischwälder am Vinschger Sonnenberg stellen neue wertvolle Biodiversitätsinseln dar, die langfristig alle Klimaschutzleistungen und Schutzfunktionen erfüllen und mit wenig Aufwand erhalten werden können.

Unterstützend für die naturnahe, nachhaltige Waldbewirtschaftung wird in Südtirols Wäldern flächendeckend die betriebliche Planung mit Waldkarteien und Waldbehandlungsplänen umgesetzt und Südtirols Wälder sind zu einem großen Teil nach den Standards des PEFC zertifiziert.