SDG 4 - Hochwertige Bildung

Frühe mehrsprachige Bildung

Mehrsprachigkeit bereits ab der frühen Kindheit, mehrsprachige Bildungseinrichtungen und mehrsprachiger Unterricht: Das paritätische Bildungsmodell in den ladinischen Tälern ist geprägt von einem Einsatz des Ladinischen zum Erhalt und zur Entwicklung der ladinischen Sprache und Kultur und einem sprachlichen Gleichgewicht zwischen der deutschen und italienischen Unterrichtssprache – dieses Modell ist und bleibt einer der Hauptpfeiler der ladinischen Sprachminderheit und Identität.

Drei Sprachen
Drei Sprachen

Beschreibung

Umgesetzt von den ladinischen Kindergärten und Schulen. 

Warum? 

In der globalisierten und vernetzten Welt von heute ist Mehrsprachigkeit mehr denn je eine Schlüsselkompetenz, die auf direkte Weise mit der Entwicklung anderer Kompetenzen verbunden ist, wie z.B. kognitive und soziale Fähigkeiten, interkulturelle Kompetenzen, Problemlösungsstrategien oder Code-Switching. Besonders Kinder besitzen die Fähigkeit, sich diese Kompetenzen durch spielerisches Erlernen anzueignen. Frühe mehrsprachige Bildung gibt ihnen einen wertvollen Grundstein, auf dem ihre Persönlichkeitsentwicklung aufbauen kann. 

Was? 

Die ladinische Schule ist ausgesprochen mehrsprachig und die Ergebnisse sind im Allgemeinen vielversprechend. Dies betrifft nicht nur das Erlernen anderer Sprachen, sondern auch die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten. Diverse Studien haben nachgewiesen, dass das paritätische Schulmodell ein Erfolgsmodell für das Sprachenlernen ist. Die ladinische Schule weist ausgezeichnete Ausbildungsergebnisse vor allem auf dem Gebiet der Mehrsprachigkeit vor. In Südtirol betrifft die mehrsprachige Bildung nach dem paritätischen Modell zur Zeit die Kindergarten- und Schulpopulation der ladinischen Ortschaften in Gröden und im Gadertal. 

Wie? 

  • Frühe mehrsprachige Bildung vom Kindergarten an: kleinen Kindern wird die Mehrsprachigkeit auf spielerische und altersgemäße Weise nähergebracht. 
  • Ab der Grundschule erfolgt die Alphabetisierung in den Sprachen Ladinisch, Deutsch und Italienisch. 
  • Bis zum Abschluss der Oberschule kennzeichnet die Mehrsprachigkeit die Realität des Unterrichtsalltags an den ladinischen Schulen. 
  • Eine Schule dieser Art braucht gut vorbereitete Lehrkräfte mit Kompetenzen in mehreren Sprachen. Dafür ist ein eigener Studiengang an der Freien Universität Bozen errichtet worden. Zusätzlich braucht es eine ständige Reflexion und wissenschaftlich fundierte Leitlinien, auf welche die Weiterentwicklung des Bildungssystems bauen kann. 

Vorteile 

  • Förderung und Entwicklung früher mehrsprachiger Kompetenzen im Allgemeinen und Erhalt, Förderung und Entwicklung der Muttersprache im Spezifischen. 
  • Unterstützung und Förderung der Schülerinnen und Schüler beim Erreichen einer gleichwertigen Kompetenz in Sprachen, die nicht die Muttersprache sind. 
  • Die Ergebnisse von Kompetenztests und wissenschaftlicher Untersuchungen haben gezeigt, dass mehrsprachige Bildung einen Mehrwert für die Schülerinnen und Schüler darstellt, der die Konkurrenzfähigkeit auf dem internationalen Arbeitsmarkt erhöht und sich auch im Hinblick auf eine verstärkte interkulturelle Öffnung gegenüber einer globalisierten Welt bezahlt macht. 
  • Frühe Mehrsprachigkeit geht nicht auf Kosten der Kompetenzen in der Muttersprache, sondern festigt die Person und ihre Sprache durch die Entwicklung zusätzlicher Fähigkeiten. 
  • Frühe und fortlaufende mehrsprachige Bildung fördert die frühe kognitive Entwicklung von Kindern und stärkt die späteren mehrsprachlichen und interkulturellen Kompetenzen von Jugendlichen und Erwachsenen. 
  • Die größere Anstrengung, die sowohl Lehrkräfte als auch Schüler und Schülerinnen in einem solchen Schulmodell unternehmen müssen, zahlt sich aufgrund der Bildungsergebnisse aus. 
  • Frühe mehrsprachige Bildung trägt dazu bei, die Identität europäischer Bürger zu festigen und zu entwickeln.