Gewässerschutzkonzept Großer Kalterer Graben
Mit dem Gewässerschutzkonzept Großer Kalterer Graben hat die Landesagentur für Umwelt und Klimaschutz ein Maßnahmenpaket geschnürt, das die Erreichung des guten Potenzials laut Wasserrahmenrichtlinie 60/2000/EG zum Ziel hat.
Beschreibung
Warum?
Der Große Kalterer Graben hat viele Funktionen zu erfüllen: er ist Entwässerungsgraben, Wasserspeicher, Vorfluter für die diffusen Einträge aus der angrenzenden Landwirtschaft, für die Regenwasserentsorgung und für die gereinigten Abwässer der Ortschaften im Einzugsgebiet. Gleichzeitig ist er aber auch ein wertvoller Lebensraum für Tiere, Pflanzen und den Menschen. Mit der Vorgabe der Wasserrahmenrichtlinie 60/2000/EG ein gutes ökologisches und chemisches Potenzial zu erreichen wird den diversen Nutzungsansprüchen Rechnung getragen und versucht das Beste für den Lebensraum und seine Wasserqualität zu erreichen. Ziel ist eine ausgewogene Wasserbilanz, die Verminderung der Einträge aus der Landwirtschaft und den Abwässern zu erreichen, sowie die ökologische Qualität des Grabens zu verbessern und aufzuwerten.
Was?
Der Große Kalterer Graben ist als „erheblich verändertes“ Gewässer eingestuft und verfehlt derzeit die chemischen und ökologischen Umweltziele. Die Wasserverfügbarkeit ist aufgrund der zahlreichen landwirtschaftlichen Entnahmen vor allem im Frühjahr (Frostberegnung) und Sommer (Beregnung) gering. Temperatur- und Sauerstoffverhältnisse sind zeitweise ungünstig und haben mitunter auch zu Fischsterben geführt. Diffuse Einträge von Pflanzenschutzmitteln und Nährstoffen aus der Landwirtschaft, die im Wasser nachgewiesen werden, beeinträchtigen die Wasserqualität genauso wie die in den Graben mündenden Ableitungen der Kläranlagen Tramin und Unterland Süd (Margreid).
Wie?
Ausgehend von den gewässerrelevanten Aspekten und den allgemeinen Zielen der Wasserrahmenrichtlinie werden im Gewässerschutzplan alle Belastungen und alle Maßnahmen zusammengeführt. Diese sind für den qualitativen und quantitativen Schutz des Großen Kalterer Grabens erforderlich, um das vorgesehene Potenzial zu erreichen. Für die zahlreichen Entnahmen zur Bewässerung und Frostberegnung wird zusammen mit den zuständigen Institutionen nach Alternativen gesucht. Ziel ist es den Wasserbedarf für die landwirtschaftlichen Tätigkeiten weiterhin zu decken und gleichzeitig die Wasserverfügbarkeit des Grabens zu sichern und das Grundwassers zu schützen. Hierzu werden vor allem wassersparende Techniken (z.B. Tropfberegnung) und Speicher verwendet. Die Einträge von Pflanzenschutzmitteln in den Graben werden monitoriert und durch die Umsetzung entsprechender Maßnahmen gemäß dem „Nationalen Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln“ wird es möglich sein, diese Einträge zu minimieren bzw. zu unterbinden. Insbesondere die Maßnahme an der Kläranlage Tramin sieht eine weitergehende Behandlung (sog. vierte Reinigungsstufe) mittels Sand bzw. Aktivkohlefilter vor. Dadurch wird eine erhöhte Abscheidung von Schwebstoffen und Mikroverunreinigungen (Pflanzenschutzmittel, Medikamente, usw.) erreicht. Die Umsetzung dieser Maßnahme ist gemäß Gewässerschutzplan innerhalb 2025 vorgesehen und die Kosten sind mit mindestens 4.000.000 € veranschlagt. Wo es die Platzverhältnisse zulassen werden am Gewässer lokale Aufweitungen vorgesehen und zusätzlicher Gewässerlebensraum verwirklicht. Die entsprechenden Auswirkungen auf die Gewässerökologie, den Lebensraum und die Artenvielfalt werden ebenfalls untersucht.
Vorteile
Das Gewässerschutzkonzept Großer Kalterer Graben betrifft direkt die Bevölkerung im Unterland (orografisch rechts der Etsch) und es ist weiters ein Gewässer von interregionalem Interesse da es in die Nachbar Provinz Trient entwässert. Die Einbeziehung der verschiedenen lokalen Interessensvertreter (Bevölkerung, Landwirtschaft, Umweltschutz und Tourismus) und die Berücksichtigung der verschiedenen Nutzungsinteressen ermöglichen es abgestimmte und nachhaltige Lösungen zu finden, einen ausgewogenen Wasserhaushalt zu garantieren und auch die klimatischen Verhältnisse der kommenden Jahre im Auge zu behalten.