Untere Ahr
Mit dem Gewässerbetreuungskonzept Untere Ahr hat die Agentur für Bevölkerungsschutz im Jahr 2000 das von der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie vorgeschriebene Flussraummanagement an der Unteren Ahr zwischen Mühlen in Taufers und Bruneck erstmals in Südtirol als Pilotprojekt angewandt.
Beschreibung
Warum?
In den Tallagen Südtirols steigt das Hochwasserrisiko, die Lebensraumausstattung und die Artenvielfalt lassen nach. Eine flächendeckende Erhebung zu Hochwasserrisiko und Gewässerökologie aus dem Jahr 2000 hat für das Tauferer Tal ergeben, dass für weite Teile von St. Georgen ab einem 30-jährigen Hochwasserereignis Überflutungsgefahr bestand. Die Vitalität der verbliebenen Auen war stark eingeschränkt, da sie selbst von großen Hochwasserereignissen unberührt blieben; ein Rückgang der Lebensraumausstattung und ein Schwund der Artenvielfalt wurde festgestellt.
Was?
Das Flussraummanagement zielt auf integrale Lösungsansätze für Hochwasser- und Naturschutz großer Flussabschnitte ab. Auf der Grundlage umfangreicher Bestandsaufnahmen werden die Ziele für Hochwasserschutz, Gewässerökologie und Umlandnutzung in einem gemeinsamen Prozess von Fachleuten und Interessensvertretungen festgelegt. Darauf aufbauend werden die notwendigen Maßnahmen am Fließgewässer und dessen Umland zu entwickelt und umgesetzt. Nach einem intensiven Planungs- und Abstimmungsprozess ist die Formulierung des Leitbildes gelungen. Der technisch optimale Hochwasserschutz durch Rückhaltebecken auf landwirtschaftlichen Flächen war wegen Widerstands der Bauernvertretung nicht umsetzbar.
Durch die Etablierung eines konstruktiven Dialogs von Behörden, betroffenen Gemeinden und Interessensvertretungen gelang der Weg der kleinen Schritte. Seit 2003 konnten 16 größere Revitalisierungsprojekte in Form von Flussaufweitungen und naturnaher Gewässerstrukturierung auf Landesgrund umgesetzt werden.
Wie?
Die Erfordernisse, aber auch die Interessen der Fachbereiche Hochwasserschutz, Gewässerökologie und Landnutzung müssen neu überdacht und so aufeinander abgestimmt werden, dass sich Vorteile für alle Beteiligten ergeben. Dazu werden für die verschiedenen Fachbereiche die optimalen Lösungen formuliert und in einer Zusammenschau der „Leitbildgruppe“ präsentiert. Die zu erwartenden Auswirkungen können so von Fachleuten, Behörden und Entscheidungsträger:innen der Gemeinden und Interessensverbänden geprüft und abgewogen werden. Durch professionelle Moderation der Planungs- und Abstimmungsprozesse lassen sich transparente und zuverlässige Entscheidungen treffen, die zu nachhaltigen Lösungen führen.
Dabei gelten folgende Prinzipien:
- Flussnaher öffentlicher Grund soll primär dem Hochwasserrückhalt und der Steigerung der Lebensraumausstattung und damit der Artenvielfalt dienen;
- In Abstimmung mit den Vertretern der Landwirtschaft soll die Überflutung unbebauter Umlandflächen im Talboden außerhalb der Siedlungsgebiete ab einem 30-jährigen Hochwasser als nachhaltiger Hochwasserrückhalt ermöglicht werden. Diese Dienstbarkeit muss auf der Grundlage transparenter Kriterien entschädigt werden;
- Regelmäßiger Austausch in der Leitbildgruppe mit Besprechung der umgesetzten Maßnahmen, so dass die gesammelten Erfahrungen in künftige Projekte einfließen können.
Vorteile
Naturnahe Flussräume bringen Vorteile für Mensch und Natur: die Wassermassen werden durch das Flussraummanagement weg von Siedlungsgebieten hinein in Auen gelenkt. Südtirols stark genutzte Talböden können von derart nachhaltigen Planungsinstrumenten nur profitieren:
- Vitale Auen sind natürliche Hochwasserrückhalteflächen und Biodiversitätshotspots;
- Erneuerung und nachhaltige Sicherung von Grundwasser durch Erhöhung der Infiltration entlang naturnaher Flussabschnitte;
- Optimale Sicherung der Ressource Wasser im Hinblick auf Klimawandel, insbesondere Rückgang der Gletscher;
- Attraktive Naherholungsflächen am Fluss für Jung und Alt;
- Hohe Identifikation mit charakteristischem Landschaftsbild durch naturnahe Flusslandschaften;
- Dieses Konzept wird bereits in mehreren Flussraummanagementplänen und Einzugsgebietsplänen (Etsch Dialog, RIENZact) angewandt.
Zahlen, Daten, Fakten
JA zu
- Gewässerökologie
- Erhalt und Verbesserung des
- gewässerökologischen Zustandes
- Steigerung Artenvielfalt
- Aufwertung Landschaftsbild
JA zu
- Hochwasserschutz
- Bestmöglicher Hochwasserschutz
- für Wohngebiete und Infrastrukturen
- Reduktion Hochwasserrisiko
- Anzahl Besucher Naherholung
- Naturnahe Naherholung am Fluss
Verfolgt einen neuen, integralen Ansatz im Bereich der Naturgefahr “Hochwasser”, der den Schutz vor Hochwasser mit dem Schutz der Natur verbindet. Link zur ausführlichen Broschüre