Vinschgauer Milchviehalmen
Die Milchalmwirtschaft ist weitgehend das Spiegelbild der Entwicklung der viehhaltenden Berglandwirtschaft in der darunter liegenden Bewirtschaftungszone. Ziel ist die Sicherung und Aufwertung der Vinschgauer Almwirtschaft als unverzichtbarer Bestandteil einer nachhaltigen Berglandwirtschaft und Regionalwirtschaft. Denn die standortangepasste Alpung von Milchkühen mit der Verarbeitung der Milch auf der Alm gehört zu den Perlen in der multifunktionalen Kulturlandschaft.
Beschreibung
Warum?
Die Almwirtschaft ist nicht nur für die Futter- und Produktgewinnung,Arbeitsentlastung und Viehzucht in der Landwirtschaft von Bedeutung. Sie leistet auch viele gesellschaftsrelevante Funktionen. Eine zeitgemäße, angepasste und nachhaltige Almwirtschaft erfüllt z. B. wichtige ökologische Funktionen, etwa durch den Erhalt der Biodiversität im Allgemeinen und einzelner geschützter Pflanzen- und Tierarten im Speziellen. Für die Gesellschaft von besonderer Bedeutung sind zahlreiche ökologische Dienstleistungen wie etwa ihr Beitrag zum Schutz vor Naturgefahren, zum Ressourcenschutz in Zusammenhang mit der Trink- und Nutzwasserverfügbarkeit oder als Garant für die Aufrechterhaltung der Erholungsfunktion des Raumes. Auch die Steigerung der Attraktivität eines Gebietes für den Tourismus oder ihre identitätsstiftende, brauchtumserhaltende Bedeutung für eine Region sind wichtige Aufgaben.
Was?
Im Bezirk Vinschgau werden derzeit noch 28 Milchviehalpen mit zusammen rund 1.400 Alpkühen bewirtschaftet. Das bedeutet einen Schnitt von 50 Kühen pro Alp. Knapp 15% des Kuhbestandes im Tal werden noch gealpt. Im Durchschnitt sind es aber weniger als 2 Kühe pro Betrieb, das bedeutet, dass bei den 1.400 Alpkühen über 700 Bauern betroffen sind. Ein tendenzieller Rückgang der Milchviehhaltung ist im Vinschgau in den letzten 25 Jahren nicht festzustellen.
Wie?
Die Revitalisierung der Milchviehalmen im Vinschgau wurde vor mehr als 25 Jahren gestartet. Damals wurde das Augenmerk in der Milchwirtschaft vor allem auf die Talbetriebe und die immer größer werdenden Milchhöfe gelegt. Die Bedeutung der Alpwirtschaft sank im Bewusstsein der Bauern und notwendige Investitionen wurden vielfach hinausgezögert. Mithilfe von zwei Leader-Förderprogramme wurden insgesamt knapp zwei Millionen Euro in die Erneuerung der Sennereien, Optimierung der Energieversorgung, Verbesserung der sanitären und hygienischen Rahmenbedingungen und in die Sanierung der Wohnräume für das Personal investiert. Zusätzlich zum baulichen Investitionspaket wurden Weideuntersuchungen und –kartierungen auf ausgewählten Almen durchgeführt, die Beratung in den Bereichen Melkhygiene, Milchwirtschaft und Milchverarbeitung aufgebaut und eine Arbeitsgruppe „Vinschger Milchviehalpen“ mit Vertretern aller beteiligten Kategorien (Personal, Obmänner, Beratung, Behörde,Ausbildung) gegründet.
Vorteile
Der Einsatz und die gute Zusammenarbeit zwischen der Fachschule für Landwirtschaft Fürstenburg mit den Ausbildungskursen, dem Sennereiverband Südtirol mit regelmäßigen Almberatungen, die Hilfestellung und Betreuung durch den tierärztlichen Dienst im Bereich Tiergesundheit und Lebensmittelhygiene, die Koordinierungstätigkeiten des Bezirksamtes für Landwirtschaft und der Arbeitsgemeinschaft Vinschgauer Milchviehalpen und die Förderungstätigkeit im Amt für Bergwirtschaft bei der Forstbehörde und den Almbauern zusammen mit den Almverantwortlichen haben dazu beigetragen, dass das „Aushängeschild“ der Berglandwirtschaft den gewünschten Stellenwert erhalten hat. Die Almen sind ein wesentlicher Bestandteil der landwirtschaftlichen Betriebe im Tal geworden. Durch die Produktion hochwertiger Lebensmittel wie Milch, Butter und Käse tragen sie zum Gesamteinkommen der bäuerlichen Betriebe bei.
Zahlen, Daten, Fakten
2020 auf den Vinschgauer Milchviehalmen
- 85 Tage Weidedauer im Jahr
- 140.000 KG Käse
- 15.000 kg Butter
- 3.600 kg Ziegenkäse - auf 3 Almen (Kapron/Ochsenberg, Stilfs, Kortsch) wird zusätzlich auch Ziegenmilch verarbeitet.
1/3 der Kuhalmen mit touristischer Nutzung. Auch die Erholungs- und Wohlfahrtsfunktion der Almwirtschaft wird vermehrt geschätzt. Almen als attraktive, gepflegte Kulturlandschaft für den heimischen Tourismus.